Rosige Zukunft

Schon vor der Heim-WM gingen die Zahlen der DKB Handball-Bundesliga nach oben. Die TV-Quoten stiegen in der Herbstserie, die Zuschauerzahlen waren stabil, ein neuer Namensrechtepartner ist auch in Aussicht. Die Lage der Liga nach der WM. Die Euphorie bei der Weltmeisterschaft kulminierte gerade, als der TV-Sender Sky einen Spot mit den deutschen Handballern zeigte. Zu sehen waren, begleitet von dramatischer Hintergrundmusik, die Gesichter mit den Spitznamen von Hendrik Pekeler („Peke“), Steffen Weinhold („Raffi“), Patrick Wiencek („Bam Bam“), Mathias Musche („Matze“) – und am Ende Keeper Andreas Wolff alias der „große böse Wolff“. Hashtag: #aufgehtsdhb. Die DKB Handball-Bundesliga (HBL) teilte diesen Spot auf ihrer Facebookseite und merkte an, dass man den bösen Wolff nach der WM bei Sky in der Bundesliga sehen könne.

Dahinter steckt das Bemühen, einen Teil der enormen Aufmerksamkeit, die sich in famosen TV-Quoten äußerte, auch in den Alltag des Bundesligageschäfts hinüberzuretten. „Die WM gibt natürlich auch der HBL großen Rückenwind, das ist für uns eine Steilvorlage“, sagt HBL-Präsident Uwe Schwenker. Auch HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann freute sich über die gewaltige Präsenz in vielen Medien. „Das hilft uns natürlich.“ HBL-Präsidiumsmitglied Marc-Hendrik Schmedt ist gar fest überzeugt davon, dass „unsere Werte wie Bodenständigkeit, die bei der WM vermittelt wurden, eine große Resonanz in der Gesellschaft gefunden haben“. Das werde der Sportart, glaubt er, langfristig helfen.

Den Ligaverantwortlichen ist freilich nach den Erfahrungen der WM 2007 bewusst, dass diese Form der Berichterstattung nach dem Turnier wieder abebben wird. Was Bohmann & Co. dennoch Hoffnung macht, ist die Tatsache, dass die Basis heute viel besser ist als vor zwölf Jahren. Die Zuschauerzahlen in der Liga waren in der Herbstserie stabil, wie der Vergleich der Zahlen der 16 Bundesligisten zeigt, die in den letzten beiden Jahren in der Eliteklasse spielten (siehe Tabellen). Und die Besucherzahlen dürften nach der WM noch steigen, so war es jedenfalls nach dem „Wintermärchen“ 2007.

Hinsichtlich der Namensrechte, die bis Sommer 2019 an die DKB vergeben sind, wird es nach Recherchen von HANDBALL inside ebenfalls bald positive Nachrichten geben: Die DKB wird sich wohl als Partner der HBL mit einer ähnlichen Summe wie bisher (ca. 1.5 Millionen Euro) weiter engagieren, nicht jedoch als Namensrechtepartner. Für diese Namensrechte aber gibt es eine Reihe von Interessenten, weshalb die HBL ab dem Sommer ihren Etat noch einmal deutlich aufstocken dürfte.

Zudem zeigte sich in der vergangenen Herbstserie, dass der TV-Vertrag, den die HBL für die Jahre 2017 bis 2023 mit Sky und den Öffentlich-Rechtlichen abgeschlossen hat, tatsächlich die erhoffte Wirkung zeigt. „Wir sind mit der Entwicklung der TV-Quoten sehr zufrieden“, sagt Bohmann. „Wir sehen diesen TV-Vertrag extrem positiv, denn nicht nur bei Sky steigen die Quoten. Auch die Nachverwertung in ARD und ZDF ist ein wichtiger Schlüssel, unsere Präsenz in den Medien zu erhöhen“, sagt Schmedt.

STEIGENDE QUOTEN

Das Konzept, feste Sendezeiten am Donnerstagabend und Sonntagnachmittag für den Handball anzubieten, gehe auf, heißt es bei Sky. „Die Reichweitenentwicklung ist insgesamt sehr positiv, sie haben sich in der Bundesliga- Hinrunde gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt“, teilt der Münchner Pay-TV-Sender mit. „Nach 19 Spieltagen waren es bislang knapp fünf Millionen Zuschauer auf Sky. Alle Teams haben bessere Quoten als im Vorjahr. Dabei sind die Reichweiten am Donnerstag und Sonntag in etwa gleich stark.“ Besonders gut lief das Spitzenspiel am 27. Dezember in Kiel. „Mit dem Spiel THW Kiel gegen Rhein-Neckar Löwen haben wir mit 183.000 Zuschauern einen neuen Pay-TV-Rekord erzielt.“

Es herrschte also eine gelöste Atmosphäre bei dem Workshop, den die HBL mit den Vertretern von Sky und den Öffentlich- Rechtlichen während der WM in Köln abhielt. Besonders erfreulich findet Bohmann, dass der Anstieg der Quoten nicht nur die Leuchttürme der Liga betrifft, sondern die gesamte Liga. Andererseits gibt es auch Terminfragen, welche die HBL mit Sky mittelfristig zu klären hat.

Grund ist der neue Rahmenterminplan, den IHF und EHF zur großen Zufriedenheit der Ligen und auch der Profis für die Zeit nach Sommer 2020 beschlossen haben (HANDBALL inside #24). Dieser Kalender sieht einerseits eine Verkürzung der Spielzeit vor, damit die Profis länger regenerieren können. Vor allem aber sollen die Spiele in der VELUX EHF Champions League künftig dienstags und mittwochs stattfinden, was die Planungen der großen Ligen im Grundsatz erleichtert.

Gewinner dieses neuen Terminplans sind die Öffentlich-Rechtlichen, weil sie auf diese Weise in der ARD-Sportschau und in der ZDF-Sportreportage mehr Zusammenfassungen mit klangvollen Clubs wie dem THW Kiel, der SG Flensburg-Handewitt, den Rhein- Neckar Löwen oder dem SC Magdeburg zeigen können. Unklar aber ist, wie die HBL diesen neuen Terminkalender mit den festen Donnerstags- Terminen im Sky-Vertrag in Einklang bringen wird – zumal die Europäische Handball Föderation plant, auch die Spiele der EHF-Pokalteilnehmer ab 2020 unter der Woche, nämlich donnerstags, anzusetzen.

Spielen die besten deutschen Clubs ihre europäischen Wettbewerbe unter der Woche, blieben Sky für den Donnerstagabend also lediglich Partien aus den unteren Regionen der Tabelle. Hinzu kommt, dass Sky für die Zeit von 2019 bis 2020 auch hochwertige Fußball-Rechte an der englischen Premier League eingekauft hat, so dass der Sender ein noch größeres Interesse daran hat, das Sendefenster am Donnerstag mit hochwertigen HBL-Partien zu füllen. Auf die Frage von HANDBALL inside, ob der Donnerstagstermin ein Dogma sei, antwortet Sky denn auch: „Eine klare Struktur des Spieltags macht Sinn, denn das wünschen sich auch die Handball-Fans, und es funktioniert besser. Zudem es ja auch immer Ausweichmöglichkeiten gibt.“

Die Lösung dieses Termin-Dilemmas kann die HBL freilich erst dann richtig angehen, wenn die neuen TV-Partner der EHF für die europäischen Wettbewerbe ab 2020 feststehen – darüber verhandeln die Rechteinhaber Infront und Perform zurzeit mit den Interessenten. Gut möglich, dass Sky hier auch über 2020 hinaus die Rechte an der VELUX EHF Champions League erwirbt. „Wir schauen uns immer interessante Sportrechte an. Generell prüfen wir jedes Sportrecht darauf hin, ob ein Erwerb für unsere Kunden und uns als Unternehmen Sinn macht“, heißt es dazu aus Unterföhring.

Wenn die neuen TV-Partner der EHF feststünden, werde man über diese Themen mit dem TV-Partner diskutieren müssen, sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. „Aber ich bin optimistisch, dafür eine Lösung zu finden. Grundsätzlich freuen wir uns sehr darüber, dass wir hinsichtlich der Termine über Jahre eine bessere Planungssicherheit haben. Das ist das, was wir immer wollten.“

Dieser Artikel stammt aus der HANDBALL inside AUSGABE #25 1/2019. Autor: Erik Eggers

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Quelle: PM HANDBALL Inside


  




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